Solo Pro V2 von Nine Eagles - Erfahrungsbericht
Nachdem der E-flite Blade mSR von Horzon Hobby nicht mehr angeboten wird und der Blade mSR X doch schon etwas anspruchsvoller zu fliegen ist, wollte ich wissen, ob der Solo Pro V2 von Nine Eagles als Alternative in Frage kommt...
– und zwar sowohl für Koaxumsteiger als auch für Fortgeschrittene, die einen „Winter-Indoor-Heli“ suchen.
Schauen wir uns zunächst das angebotenen Set einmal an:
Die Verpackung des Solo Pro V2 ist in der Form eines Koffers aus Karton gestaltet, welcher eine Styroporbox mit Aussparungen für alle Einzelteile enthält. Neben dem Heli und dem 2,4 GHz-Sender enthält das Set 4 1,5V AA-Batterien für den Sender, einen 3,7V-Lipo-Akku (120 mAh) für den Heli, einen kleinen Kreuzschlitzschraubendreher und eine ausführliche Bedienungsanleitung (leider nur auf Englisch), in welcher auch alle Ersatzteile aufgelistet sind.
Schon beim Entnehmen as der Schachtel wurde klar, warum es sich beim Solo Pro mit 27 Gramm um solch ein Leichtgewicht und einen der leichtesten 4-Kanal Fixed Pitch Helis auf dem Markt handelt. Denn beim Solo Pro hat man sich bei der Konstruktion nur auf das Wesentliche beschränkt und das ist auch gut so.
Er ist sehr einfach aber durchdacht aufgebaut und besteht fast ausschließlich aus Kunststoff. Vom Design her wirkt er sehr "schnittig". Die Rotorwelle und der Heckausleger sind aus Carbon gefertigt. Die Rotorwelle ist übrigens gerade eingebaut und nicht wie beim E-flite Blade mSR nach rechts geneigt. Dafür sorgt das auf der linken Seite etwas erhöhte Landegestell des Solo Pro dafür, dass er etwas schräg steht. Dadurch soll erreicht werden, dass der Kleine beim Start nicht gleich nach links abdriftet. Die beiden Rotorblätter sind miteinander verschraubt und klappen nicht ein, dies sorgt dafür, dass sie immer perfekt ausgerichtet sind, was den Flugeigenschaften positiv entgegenkommt. Der Rotorkopf mit obenliegender Stabilisatorstange (mit Gewichten, ohne Paddel) ist nach dem System "Bell" aufgebaut. Beim Blick unter die Haube, fällt der Blick auf die "5in1-Unit", auf welcher beim Solo Pro auch noch die beiden Servos zur Ansteuerung der Taumelscheibe angebracht sind. Der Antriebsmotor sitzt zwischen der 5in1-Unit und der Hauptrotorwelle. Der Heckrotor wird über einen kleinen Motor angetrieben. Einen Schalter sucht man beim Nine Eagles Solo vergebens, er wird durch Einschieben des Akkus "eingeschaltet" – sehr praktisch! Einige Bauteile fluoreszieren bei Nacht (siehe Bild), was das Fliegen in einem dznklen Zimmer zu einem besonderen Erlebnis macht.
Apropos Akku: Das Laden des Akkus erfolgt über den Sender über ein Fach auf der Rückseite und dauert ca. 30 Minuten. Dies hat zum Vorteil, dass kein zusätzliches Ladegerät benötigt wird. Nach ca. 10 Ladungen benötigt der Sender aber wieder neue Batterien, daher wäre ein externes Ladegerät sicherlich nicht schlecht...
Der Sender ist übrigens etwas besonderes. Zum einen ist man dank der 2,4 GHz-Technik störungsfrei unterwegs, auch im Freien, zum anderen kann er sehr leicht von Mode 2 zu Mode 1 umgerüstet werden. Hierfür müssen nur 2 Schrauben auf der Rückseite gelöst werden, damit man die Antenne umklappen kann - genial! Daher ist er auch symmetrisch gestaltet, liegt aber trotzdem recht gut in der Hand. Im Display zwischen den Knüppeln wird der jeweilig aktive Mode angezeigt. Das Display zeigt folgendes an: Batteriezustand, Mode, Flugzustand (zahm/wendig), Trimmung aller Kanäle und Ausschlag des Gasknüppels. Erfreulicherweise können die Batterien des Senders auch ohne Schraubendreher gewechselt werden. Die Knüppelaggregate machen einen sehr guten Eindruck und arbeiten sehr präzise. Durch 3-maliges Drücken eines Knopfes auf der Rückseite gelangt man in den Setup-Modus, in welchem man Gyroempfindlichkeit, Subtrim und Servowege einstellen kann.
Nun aber zum Wichtigsten, dem Flugverhalten:
Zum Erstflug wurde der Solo Pro in einem relativ kleinen Zimmer direkt vom Boden aus gestartet. Es wurde zügig Gas gegeben und der Solo Pro hob ab. Allerdings nicht senkrecht nach oben, sondern schräg nach links nach hinten. Also war starkes Gegenlenken nach rechts vorne angesagt. Außerhalb des Bodeneffekts stand er dann aber wie eine "Eins" in der Luft, allerdings recht schräg. Dies liegt daran, dass der seitliche Schub des Heckrotors ausgeglichen werden muss und ist gerade bei den kleinen Helis sehr ausgeprägt und total normal! Die Kombination Gyro/Heckmotor funktioniert erstklassig, so ist weder ein Zucken während des Schwebeflugs noch ein Wegdrehen des Hecks bei Drehmomentänderungen zu sehen. Der Erstflug wurde übrigens gleich im "Advanced"-Modus und Anlenkung über die "langen" Kugelköpfe an der Taumelscheibe durchgeführt;-). Von der Trimmung her passte aus der Schachtel heraus alles. Also konnte gleich richtig losgelegt werden. Auch das Fliegen von Kreisen gelang von Anfang an bestens, und zwar in beide Richtungen, wenngleich der Solo Pro aufgrund seiner Konstruktionsweise natürlich lieber Kreise im Uhrzeigersinn fliegt. Allerdings ist das Fliegen von Linkskurven viel einfacher als z.B. beim neuen Blade mSR X. Bei engen Kreisen im Uhrzeigersinn hängt der Kleine so richtig in der Kurve, was wirklich super aussieht! Auch Rückwärtskreise lassen sich sehr sauber steuern, allerdings muss man hierbei gewaltig aufpassen, da der Solo Pro gerade im Rückwärtsflug sehr schnell werden kann, sodass das Wohnzimmer schnell zu klein wird. Bei den Pirouetten macht der Solo Pro dagegen nicht so eine gute Figur. Zum einen ist die "Giergeschwindigkeit" relativ niedrig, zum anderen driftet er bei den Pirouetten ganz schön, sodass kräftig gegengesteuert werden muss. Bei Pirouetten nach links driftet er nach hinten, bei Pirouetten nach rechts nach vorne. Dies hängt damit zusammen, dass der Solo Pro etwas kopflastig ist und sich der nach vorne verlagerte Schwerpunkt bei solchen Manövern negativ auswirkt. Sobald man aber mit dieser Eigenheit vertraut ist, stellt dieser Effekt kein Problem mehr dar. Schon während des Erstflugs fiel das neutrale Flugverhalten auf, was uns sehr gut gefallen hat. Denn der Solo Pro neigt nicht dazu, wie z.B. einige andere Helis derselben Klasse, sich aufzubäumen, zu kreiseln oder zu pendeln. Es kommt also nicht das Gefühl auf, er wäre an einem unsichtbaren Faden aufgehängt. Diese Eigenschaft wirkt sich positiv auf das Fliegen von "schwierigeren" Manövern aus, geht aber ein bisschen auf Kosten der Schwebestabilität.
Natürlich bleibn beim "Rocken" des Wohnzimmers Crashs nicht aus... Sowohl Landegestell, Chassis, Zahnräder als auch Rotorblätter verkraften dies aber sehr gut. Dies liegt v.a. an der geringen Masse und an den verwendeten Materialien bzw. an der durchdachten Konstruktion, wie z.B. an der Form des Landegestells zu sehen ist. Das, was sich verbiegen soll (z.B. Landegestell) ist aus elastischem Kunststoff gefertigt, das, was sich nicht verbiegen darf, z.B. die Rotorwelle, ist aus stabilem Carbon gerfertigt.
Sollte doch mal etwas zu Bruch gehen, stehen natürlich Ersatzteile zur Verfügung. Allerdings kann man dann den Solo Pro vielleicht auch mit einigen Tuningteilen pimpen. Für nahezu alle Serienbauteile stehen auch Tuningteile zur Verfügung. Allerdings muss man gerade beim Tunen mit Aluteilen aufpassen, dass das Gewicht nicht zu stark ansteigt, da sonst die Flugeigenschaften darunter leiden.
Auf dem Bild oben rechts sind folgende Tuningteile verbaut:
- Xtreme Solo Pro LiPo 3,7 V 150 mAh 15 C
- Xtreme Solo Pro Mischarme
- Xtreme Solo Pro Alu-Taumelscheibe
- Xtreme Solo Pro Landegestell
- Xtreme Solo Pro Hauptzahnrad aus Delrin
Durch dieses "behutsame" Tuning erhält man einen robusten Heli, der richtig "schnittig" aussieht und trotzdem noch so leicht ist (30,4 g), dass die Flugeigenschaften nicht darunter leiden.
Abschließend noch ein Vergleichsbild mit folgenden Microhelis: Solo Pro V2, Blade mSR und Blade mSR X.
Fazit: Der Solo Pro ist ein sehr guter Fixed Pitch-Microheli zu einem fairen Preis, der sowohl für Koax-Umsteiger, die den nächsten Schritt gehen möchten, als auch für erfahrenere Helipiloten geeignet ist. Helipiloten mit Collective Pitch-Erfahrung werden die neutralen Flugeigenschaften zu schätzen wissen. Für diese ist er ein kostengünstiges und robustes Trainingsmodell für den Winter und regnerische Tage. Und zusätzlich stehen einem eine Vielzahl an Tuningteilen zum "Aufmotzen" zur Verfügung. Gerade für Koax-Umsteiger ist er wahrscheinlich besser geeignet als der Blade mSR X, da dieser zwar auch super fliegt aber seine Eigenheiten hat...
Januar 2012, Markus