Baubericht F22 Raptor von Sapac
Hoeni hat einen weiteren Jet zu fassen, von der Firma Sapac eine F22 Raptor. Hier gibt es den Baubericht...
Dieser Bericht entstammt der Feder von Hoeni, allerbesten Dank für das erneute "an uns denken" :-)
Dieser Baubericht befasst sich mit der “F22 Raptor” von Sapac, einem chinesischen Hersteller von Schaummodellen, der mittlerweile als GlobalFly auftritt.

Die Beschaffung dieses vollständig aus Styropor gefertigten Flugzeugs war etwas plötzlich – im RCLineforum berichtete jemand über ein Hammersonderangebot von Staufenbiel, das dort ein Schwung gut aussehender Impellerjets für unter 40 Euro über die Theke gehen würde. Bei dem Schnäppchenpreis habe ich dann auch flott zugeschlagen nach einem Tag Bedenkzeit. Nach 48h waren dann auch alle Kästen ausverkauft, man kann die F22 aber heute ab und an durch hobbycity oder andere Händler unter dem GlobalFly Label noch beziehen. Nach nur drei Tagen stand dann eine recht große Box bei uns vor der Tür – die erstmal wochenlang im Keller verschwand, denn Zeit und Teile für den Jet hatte ich vorerst nicht.
Ahja, der Jet kam in nicht gutem Zustand an, diverse Druckstellen und Farbabplatzungen – bei einem Vollpreisjet wäre der zurückgegangen, für 40 Euro fand ich es noch OK. Schuld ist hier nicht der Versender sondern die mangelnde Sorgfalt und schlechte Verpackung von Sapac. Ein ziemlicher Griff ins Klo, wie man an den Bildern sehen kann.

Ein paar Wochen später habe ich mich dann wieder mit dem Jet beschäftigt, ein Thread bei RCnetwork hat dann ein paar Ideen zur Motorisierung und zum sonstigen Setup gebracht – und auch ein oder zwei dumme Fragen von mir ausgehalten. Sehr fein.
Die Kleinteile zur Anlenkung waren dabei, wie auch ein Fahrwerk. Dazu gab es noch zwei Impeller und… das war es auch schon. Die Styroteile und eine eher ungenau gearbeitete transparente Kabinenhaube mit Magneten lagen im Karton und dann war auch Schluß. Es fehlte also die gesamte Elektronik – aber das ist ja bei ARF „normal“. Die restlichen Kleinteile wurden nun von mir aus diversen Quellen bestellt bzw. waren sogar noch von anderen Projekten übrig. So gingen mal wieder diverse Wochen ins Land wo ich auf passende Teile wartete…
Zum Aufbau des Ganzen:
Beginnen wir mit den ersten paar Teilchen, hier ein Foto vom "Auslieferungszustand", also wo alles noch fein im Karton ist, davor dann die zu verbauende Elektronik.

Mal zusammengesteckt um zu sehen, wie er ausschauen wird...

Erster Schritt war bei mir ein wildes Rumbasteln am Bugfahrwerk, das sollte schnell gehen. Die Anleitung ist übrigens in hervorragendem Chinesisch und per Google übersetztem Beinahe-Englisch, die Bilder darin schwarz/grau und völlig unbrauchbar. Die Montage des Bigservos wird anhand eines Bildes gezeigt, in dem eine Hand das Servo verdeckt – ergo wanderte die direkt in die Tonne.

Beim Bau half mir nun ein älterer Bericht aus der österreichischen Prop und die Threads bei RCforum und RC-network.

Die Querruder werden eingeklebt. Um diese einzupassen, muss etwas Styro weggeschnitten werden, sonst passen die HXTs nicht in die Aussparung.
Mit einem Cutter ist das schnell erledigt. Vorsicht an den Ruderhörnern, dort muss genug Material weg, damit die nicht an irgendwas reiben. Die 2mm Aufbohrung der Hörner lt. Anleitung sollte man auch tunlichst lassen, damit schlackern die Servogestänge bis zur Unbrauchbarkeit. Also lieber Draht erhitzen und durch das Servohorn durchstechen. Hilft.

Danach durfte einer der Impeller schon mal probe sitzen, das sah ganz passabel aus. Weiter ging es nun mit den beiden Höhenruderservos. Hier kann man die Kabel in einer Nut versenken, was auch Sinn macht, damit die beim Ankleben des Flügels nicht im Weg sind. Die Servonester mussten auch hier mit einem Cutter angepasst werden, die Passgenauigkeit des Modells ist auch hier eher bescheiden.

Verklebt wurden die Servos mit dem beiliegenden Kleber, der roch zwar etwas streng, klebte aber recht gut. Leider brauchte er ewig zum Abbinden, daher habe ich später auf 5 Minuten Epoxy zurückgegriffen. Dann wurden die Gestänge für die Servos eingehangen, das sah recht ok aus, wenn auch nicht so stabil wie es wünschenswert sei.

Zurück zum Bugfahrwerk – hier werden die Plastikteile um den Fahrwerksdraht geklipst. Da wir eine Teerpiste am Modellflugplatz haben, sollte ich dort auch starten können – doch die Montage ist immer noch so ein Rätsel.

Mit montiertem Servo (über Kopf!) sieht das dann so aus – nur im Bug das Servo befestigen klappte nicht. Daher wird die F22 erstmal als Bauchrutscher fliegen. Sieht eh besser aus im Flug!

Um die Flügel zu verkleben, habe ich an den Klebestellen die Farbe mit Sandpapier bzw. „simplen-Gewebeband-ansetzen und abreißen entfernt. Eine unelegante aber effektive Methode, die Farbe wegzukriegen. Etwas 5 Minuten Epoxy aufgetragen und dann schön gerade aneinander verklebt. Die Spalten wurden dann mit etwas weniger zähflüssigem Epoxy aufgefüllt, so das die Klebestelle auch ordentlich stabil ist.
Zusammengeklebt sieht das schon richtig nach Flieger aus – daher ging es nun an die Elektronik. Die leider recht großen und schweren Regler müssen ins Modell – dafür sind sie aber sensationell billig und tun ihren Job recht ordentlich. Doch zunächst kümmerte ich mich um die Impeller.

Die Montage ist gar nicht so schwer – der Motor passte wie angegossen in die Aufnahme im Impellergehäuse und wird dort mit vier Schrauben über Kreuz montiert. Dann wird eine dünne Aufnahmehülse auf die Motorwelle gesteckt und mit einer Madenschraube festgezogen. Und hier gab es das erste dicke Problem: Der Motor kam mit einer montierten 3mm Welle, die Aufnahme ist aber für 2,3mm gedacht. Also musste die originale Welle raus und dafür eine dünnere (mitgelieferte!) 2,3mm Welle rein. Dazu habe ich den Motor in einen Schraubstock gespannt und ein dünnes Stahlrohr auf den Motor gesetzt. Nun mit einem Hammer nach Rausdrehen der Madenschrauben die Welle vorsichtig und gerade nach vorne rausgeklopft und dann die dünnere Welle reingeklopft. Madenschrauben wieder dran und gut war die Aktion.

Nachdem das mit beiden Motoren irgendwann erledigt war, wurden sie wieder in den Impellergehäusen montiert. Nachdem die Aufnehmer aufgeschraubt wurden, wird von vorne der Rotor aufgesteckt und mit einer Schraube fixiert. So ganz überzeugt mich die Konstruktion nicht, aber schaun mer mal. Bevor man nun die Motorisierung einbaut, sollte man die auch testen. Besonders auf die Laufrichtung sollte man achten!

Bei einem ersten Test der Impeller zeigte sich aber schnell, das diese massiv am Gehäuse schliffen, Hier musste ich dann mit Sandpapier am Gehäuse etwas Material abtragen und als das auch nicht ausreichte, wurde kurzentschlossen ein Stück Sandpapier in den Impeller an den Mantel gelegt und per Hand der Rotor dutzende Male gedreht. So wurden die Rotorspitzen ausreichend abgeschliffen ohne den Mantel zu berühren später und ohne einen zu großen Spalt zu erzeugen.

Nächster Schritt war dann die Elektronik zu verlöten. Eines der Pluskabel von den beiden Reglern wird aus dem Stecker gezogen und dann abisoliert, damit nur ein BEC aktiv bleibt.

Der 40A Regler hat ein eher schwach dimensioniertes BEC mit 1,5A – hier dürfen keine stromhungrigen Servos genutzt werden bzw. ein UBEC könnte Sinn machen. Mit den vier HXTs geht es aber auch so.

Die beiden Regler werden nun per Y-Kabel mit dem Regler verbunden, ebenso werden die Stromkabel zum Akku per Y-Kabel zusammengefasst. Damit die Regler auch Platz haben, muss ordentlich Material an der mittleren Rippe im Bereich der Impellerhalterungen entfernt werden. Bei kleineren Reglern der 30A Klasse hätte das noch gereicht, aber die massiven H40A Regler machten hier viel Materialwegnahme nötig. Nun setzte ich die Elektronik ein.

Aus Platzgründen und weil ich nicht zweitausend Verlängerungen verbauen wollte, wurde der AR500 Empfänger dann auch am vorgesehenen Platz zwischen den Impellern verbaut. 35Mhz Betrieb kann man sich bei dem Modell wohl abschminken….

Da noch die Heckflügel zu montieren waren, erfolgte nun genau das – etwas Epoxy angerührt und dann auf denPlastikhaltern verteilt. Fläche aufgepresst, eingepasst und trocknen lassen. Recht easy.

Genau ist zwar anders, aber für meinen Flugstil wird es genügen.

Eine kleine Herausforderung ist dann wieder das Seitenleitwerk, was anlenkbar machbar sein sollte, aber letztlich keinen Platz für Servos hat. Schade. Hier wird zuerst der untere Teil der Fläche etwas (!) angeknickt und dann mit den beiden Plastikhalterchen verklebt. Erst wenn das (nun winklige) Stück fest abgebuinden hat, wird etwas Epoxy in die Halterung im Rumpf getropft und dort dann die Seitenleitwerkskonstruktion eingesetzt. Wieder etwas, was die seitenlang Flugvorbereitungen besprechende Anleitung nicht mal ansatzweise erwähnt…

Nachdem das montiert war, stand ich vor einem Rätsel: Wie sollte ich es hinkriegen, das beide Höhenruderservos gleichzeitig nach oben gehen obwohl sie spiegelverkehrt eingebaut wurden und beide linksdrehend sind?
Zwei Lösungen:
Entweder elektronisch indem man ein Höhenservo auf Höhe, das andere auf Seite steckt und dann einen Mischer in der Funke macht, der Seite zu Höhe mischt bzw. das über V-Tail einstellt. V-Tail ist dabei doof mit der DX6i, denn die massive Ruderwegbegrenzung ist zu extrem. Da bleibt nur zwei Mischer zu nutzen!

Oder halt mechanisch, indem man schlicht das Servohorn um 180 Grad verdreht einbaut. Da spricht ein Bild Bände. Und siehe da: Der Tipp aus dem RC-Networkforum ist so simpel und funktional, das es schon fast peinlich ist. Also: Bei der F22 wird’s so gemacht und gut ist es.
Die Montage der Impeller im Jet erfolgte dann unter Zuhilfenahme der beiden Aussparungen im Gehäuse. Dort greifen zwei Federn in die Nuten und halten den Impeller fest. Dennoch habe ich jeweils einen Streifen Teppichklebeband zur Fixierung unter die Impeller gelegt, das war mir sonst zu wacklig. Im Notfall kann man mit einem scharfen Cutter so von hinten durch die Schubdüse die Impeller wieder lösen, wenn Ersatz nötig wird.

Bei Messungen stellte ich dann fest, das jeder Motor 24-25A zog bei Vollgas – ziemliche Punktlandung zu meiner Planung von maximal 50A Gesamtlast. Dabei liegen dann fast 900g Schub an – bei 1,25kg durchaus reichlich, senkrecht geht damit aber natürlich nichts.

Die nach vorne laufenden Stromkabel werden per Y-Kabel angeschlossen, der Stecker zur Verlängerung wird schön verschruzmpft damit sich da nichts löst. Das Durchfummeln dann nach vorne war wieder ein Geduldsakt – die Öffnung ist wirklich nicht groß, wie da manch einer noch die Servokabel durchkriegen will ist mir nicht klar. Aber: Mit einem Stahldraht und etwas Tesa klappte auch das.

Es blieb dann noch das Befestigen der Regler und Kabel mit ein paar Tropfen Epoxy, damit nichts von den Impellern angesaugt werden kann und dann wird die Wartungsklappe verschraubt.

Ahja – da dort noch zwei Plastiknuten stören, wird ins Styro entsprechend eingeschnitten, die Impeller halten aber auch so ganz gut. Und das – war es dann auch schon, zumindest solange das Fahrwerk nicht drankommt.

Der Flieger und Pilot vor dem Ersteinsatz…
Erstflug (auf dem Easystartreffen wohlgemerkt!):

Vom Boden aus kam die F22 nicht hoch, durch Gras und holprige Startbahn fehlte der richtige Schub. So wurde sie per Hand gestartet – erstaunlich zahm ist sie in der Luft, mit 30% Expo auf Höhe und Quer lässt sie sich etwas schwammig aber OK fliegen. Die Geschwindigkeit enttäuscht aber, deutlich schneller als mein Twister ist sie nicht. Der Sound dagegen ist für Chinaimpeller recht ok, nicht so sonor wie der Twister aber zumindest kein Geheule wie die EF16.
Was stört ist aber der krasse Stromverbrauch: Damit sie ordentlich steigt muss man schon viel Gas geben, cruisen geht aber auch mit etwas über Halbgas schon. Richtig Spaß macht sie aber eher Richtung Vollgas – aber die 50A, die dabei durchgehen, machen den Lipo in guten 4 Minuten schon böse leer und: Der 20C Zippy, der im Twister problemfrei seinen Dienst bei 32A machte, kommt hier an seine Grenzen und wird dick und heiß seit dem zweiten Flug. Das ging also nicht gut. Ein stärkerer Akku als Ersatz ist geordert, damit sollte dieses Problem gelöst sein. Bis dahin bleibt der dicke Vogel leider erstmal auf dem Boden.
Ansonsten aufgrund der ungewöhnlichen Form und Größe ein Hingucker für Schaumwaffler und als Doppelimpeller erst recht eher ungewöhnlich. Und das für vergleichsweise kleines Geld – wenn nun das Material EPP statt EPS wäre und die Verarbeitung etwas besser, wäre es ein klasse Jet. Als Budgetvariante ist er aber auch OK.
Wie ist denn nun die F22, so in der Retrospektive nach einigen Flügen betrachtet...?
Die Flugzeit ist geringer als gedacht, mit 50A Spitze Verbrauch kann man einen 3000er Lipo problemfrei in guten 4 Minuten leeren. Aua. Bei 5 Minuten Flugzeit mit etwas mehr Disziplin ist der Akku leer bis auf 11,1V nach der Landung. Das ist das Maximum. Unter Last wird der Akku da schon böse Richtung 9,6V gehen.
Ansonsten:
Fliegt schön, sieht geil aus, netter Sound, segelt ohne Ende, der Platz zum Landen konnte nicht lang genug sein. Saugt Strom. Aber: Ein Hingucker.
- Schub: 900g, bei 1,25kg Abfluggewicht - 1,3kg mit den 40C Akkus. Keine Rakete, wirklich nicht. Dabei zieht sie genau 50A. Punktlandung zu meiner Planung.
- Bodenstart von einer gemähten, aber unebenen Wiese: Keine Schnitte. Wird nicht schnell genug.
- aus der Hand geworfen nach kurzem Durchsacken nimmt sie gut Fahrt auf, in der Luft reicht etwas über Halbgas zum entspannten rumdüsen aus, mit Vollgas gibt es dann ordentlich Schub. Am besten gefällt mir reglervernichtendes dreiviertel Gas, da ist genug Leistung zum Steigen und Kurven ziehen.
- Trimmung: ist bei mir noch etwas kopflastig, werde mal den Akku schrittweise nach hinten schieben. Drei Klicks auf Quer, ne Menge Höhe. Sonst passte das.
- Subjektiv von der Geschwindigkeit her knapp über Twister, aber deutlich unter meiner EF16.
- Schwerpunkt: Gut einhaltbar mit dem 3000er Lipo 20C, aufgrund des hohen Verbrauchs habe ich aber auf 40C umgerüstet. SP derzeit am vorderen Ende der Griffmulde. Um den 40C vom SP her hinzubekommen, muss das Styro weggeschnitten werden im Inneren, das das Bugservo halten soll. Damit hat sich bei mir das Thema Fahrwerk bei der F22 endgültig erledigt...
- Aber auch bei mir war ist das Flugbild ab und an etwas wacklig, was nicht nur am Wind liegt. Die Lagerung der Tailerons scheint mir da echt verdächtig weich zu sein. Bei mir noch ausreichend, ambitionierte Flieger werden da nacharbeiten müssen!
Lesetipp:
Kleine Flitzer gibt es auch aus Schaum von FreeAir und von LM-Model...
