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Parkettieren + Lackieren

Jochen: Du bist ein Künstler! Nebenbei schenkst Du uns eine hervorragende Anleitung. So gehts...


Jochen hat bereits eine Anleitung zum Lackieren gefertigt, mit diesem Bericht sattelt er noch einen drauf... Vielen vielen Dank für die Mühe!!!

Parkettieren und Lackieren:

parkettieren lackieren anleitung

Styro-Modelle widerstandsfester und "schöner" machen!

Das Parkettieren:

Styropor gibt es in verschiedenen Dichten. Je leichter das Material, desto geringer die Materialdichte, desto weicher, desto weniger stabil, desto weniger druckfest. Abhilfe schafft das Parkettieren. Die unbehandelten GWS Modelle eignen sich für den Einstieg am besten dafür. Die Modelle sind relativ preisgünstig im Handel zu bekommen. Es gibt die älteren Modelle einer Spitfire, Mustang, Corsair, Bf109 und einer P-38 Lightning. Die neueren Modelle, etwas größer im Maßstab wären die FW190, die P-40 und die AT-6.

Anhand einer GWS P-40 möchte ich euch zeigen wie ich das mit dem Parkettieren gemacht habe, eine Anleitung zum Parkettieren also:

Natürlich gibt es von dieser Methode des Parkettierens auch Abwandlungen. Es kommt immer darauf an, welchen Zweck das Modell erfüllen soll. Soll es einfach nur ein Parkflyer mit Vorbildcharakter sein oder gar ein Aircombat-Modell. Beide Extreme sind möglich. Bei dem einen reicht 12g Bespannpapier oder dünnes Blumenpapier von der freundlichen Verkäuferin aus dem Blumenladen in der Nachbarschaft. Der andere verwendet für das Parkettieren sogar braunes Packpapier für sein Combat-Modell, das wird  nach der beschrieben Behandlung hart wie Beton.

Um sie wirklich etwas hübscher aussehen zu lassen, muss man was tun. Als erstes muss man die Oberfläche druckfester machen. Beste Sache bei Styro-Modellen ist die Papier-Parkettlack Methode. Das sogenannte Parkettieren, der Ausdruck kommt von der Verwendung von Parkettlack. Dieser ist sehr hart, aber hat gleichzeitig eine gewisse Flexibilität. Da es bei Styromodellen immer auf Gewicht ankommt, ist das Parkettieren wirklich die beste Methode. Glasmatte und Harz nur in äußersten Notfällen. Glasmatte mit Parkettlack ist allerdings bei stärker beanspruchten Teilen eine Alternative. Selbst für eine Wiesenlandung reicht am Rumpfboden eine doppelte Beschichtung mit 12g Bespannpapier und 3-4 Schichten verdünntem Parkettlack. Das wird knüppelhart. Man besorgt sich einen guten wasserlöslichen Parkett- oder Treppenlack in seidenmatt, geht zu einem örtlichen Modellbauladen und nimmt sich ein paar Bögen Bespannpapier in der 12g/qm Dichte mit. Dann schneidet man sich anhand des Modells die Bespannpapierstücke zurecht. Alternativ kann man das Papier auch reißen. Vorteil hiervon ist, weichere Übergänge der Papierstücke. Könner unter uns werden reißen und schneiden, schneiden dort wo glatte Flächen sind, die mit Beplankungsstößen einhergehen.

Zuerst Rumpfboden und Rundungen, dann die glatten Flächen des Rumpfes und der Tragflächen. Rundungen, Kanten werden eingeschnitten und Stück für Stück mit dem Pinsel umgelegt und glattgestrichen. So kann man das Modell Stück für Stück einpacken. Es macht nix, wenn sich Papierstücke überlappen. Aber auf keinen Fall hinreißen lassen, alles auf einmal machen zu wollen, denn dann ist Schrott vorprogrammiert. Stück für Stück arbeiten ist angesagt. Langes, langsames Durchtrocknen ist oberste Pflicht. Anschließend vorsichtig mit feinem Schleifleinen oder Schleifschwamm überschleifen. Dann noch mal als Ganzes mit Parkettlack überlackieren.
Dann erst mit Farblack dran. Dran denken, es ist Styro, nur wasserlösliche Acryl-Lacke, wie Tamiya, Revell-Aqua, Vallejo verwenden.

Jetzt haben wir ein komplett- oder je nach Anspruch, ein teil-parkettiertes Modell. Vorteil ist jetzt die widerstandsfähigere Oberfläche, Nachteile erkaufen wir uns leider auch. Wir haben dadurch das Gewicht des Modells erhöht, wobei sich die Zunahme durchaus im 50g +/- Bereich je nach Größe des Modells bewegen kann. Zweiter Nachteil kann sein, die Oberfläche der Tragflächen wird glatter, das Modell wird schneller (auch durch die Gewichtszunahme), ein evtl. Strömungsabriss kann früher kommen.

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Das Lackieren:

Zurück zu unserer weißen, nur am Bauch eingepackten P-40 Warhawk. Für beste Ergebnisse für das Lackfinish sorgt allerdings immer noch die Airbrush. Es muss keine sündhaft teure sein. Vergessen könnt ihr die Pistolen nach dem Zerstäuberprinzip i.V.m. den Druckluftdosen. Bis ihr den Strahl eingestellt habt ist die dose halb leer und wenn ihr das Modell sprüht, hört die Luft bei der halben Arbeit auf. Schöne Schei......

Ich verwende seit ca. 25 Jahren eine Badger 200 und habe im Keller einen Kompressor mit 25Liter Luftkessel. Nicht gerade leise, dafür aber viel Luft. Also vernünftige Vollmetall-Pistole mit Innenmischung in Single- oder Double-Action und ein vernünftiger Airbrush-Kompressor, hält auch bei guter Pflege ein Leben lang. Hierzu  noch den ein oder anderen Tip. Da wir keine kleinen 1/72er Plastik-Modelle brushen, darf die Düse der Pistole ein wenig größer sein, 0,3mm Durchmesser ist schon okay. Auch sollten die Dichtungen der Pistole aus Teflon oder zumindest aus lösungsmittelbeständigen Material sein. Denn bei aller Gründlichkeit beim Reinigen von wasserlöslichen Farben, sind die Farben erstmal angetrocknet, hilft kein Airbrushreiniger für "Wasserfarben" mehr. Da müssen dann härtere Geschütze ran, mindestens Silikonentferner, besser Nitroverdünnung, am besten Aceton. Aber Vorsicht: Kippe aus und frische Luft.

Das GWS-Modell hat sog. Beplankungsstöße im Schützengrabenformat. Also eigentlich zu breit und zu tief. In meinen Augen ist das erstmal zweitrangig, da wir hier ja in die Materie erstmal einsteigen wollen.

Wir beginnen mit den sogenannten Pre-Shading. Man zieht alle Blechstöße mit schwarzer oder dunkelgrauer Farbe nach. Das machen wir mit einem feinen Pinsel.  Anschließend wird das entsprechende Tarnkleid aufgebracht.

Wer keine Airbrush hat, kann auch einen weichen Flachpinsel nehmen. Allerdings können wir dabei kaum weiche, fließende Farbübergänge erzeugen. Das funktioniert nur mit der Airbrush. Wie lackieren wir jetzt zum Beispiel ein farbiges Rumpfband oder einen Streifen. Auf einer glatten, auch lackierten Fläche kein Problem. Abkleben mit Abklebeband, Maskierfilm etc. Auf rauer Styro-Oberfläche können wir mit Klebeband nicht arbeiten, warum dürfte jedem einleuchten. Aber es gibt eine Methode, die allerdings schnelles Arbeiten erfordert und eigentlich auch nur mit der Airbrush funktioniert. Den zu lackierenden Bereich vorsichtig kennzeichnen, Airbrush mit genügend Farbe vorbereiten, Modell so positionieren, dass man von allen Seiten schnell drankommt. Papierstreifen, am besten Zeitungspapier nehmen, in Streifen schneiden, am Modell positionieren und leicht  mit einem Pinsel oder Tuch mit Wasser durchfeuchten. Aber nur soviel durchfeuchten, dass das Zeitungspapier "klebt", aber nicht das Wasser herunterläuft. Jetzt schnell und zügig mit wenig Luftdruck den Streifen oder was auch immer sprühen. Wenn fertig, Pistole weglegen und die Abdeckstreifen gegen die Farbkante wegziehen. Natürlich sollte man diese Technik vorher mal an Styroresten probieren.

Kommt man mit dieser Methode nicht zurecht oder hat keine Airbrush, nimmt man doch Abklebeband. Allerdings sollte man vorher die Klebkraft des Bandes verringern. Das funktioniert, in dem man die benötigten Mengen von der Rolle abreißt und einmal auf eine glatte, saubere Fläche aufklebt und wieder abzieht. Dann klebt man damit den zu lackierenden Bereich ab. Beim Lackieren darauf achten, dass der Pinsel immer vom Abklebeband weg geführt wird, die Farbe nicht zu dünn ist. Dann sollten wir auch ein annehmbares Ergebnis bekommen. Wie schon mal gesagt, am Reststück ausprobieren.

Jetzt geht´s los! Als erstes bereiten wir den Arbeitsplatz vor. Das Modell kommt auf einen wackelfreien Ständer. Ich habe mir mal aus Styropor U-förmige Teile in verschiedenen Größen zusammengeklebt. Das reicht im allgemeinen um Modelle geringeren Gewichts sicher zu positionieren. Als nächstes bereiten wir uns die Farbe(n) vor. Für Styro nehme ich in der Regel die Acrylics von Tamiya. Allerdings nehme ich nicht den teuren Verdünner von Tamiya, auch keine Wasser, sondern schnöden Spiritus. Die Tamiya-Acrylics haben als Lösungsmittel ein Alkoholgemisch, nicht wie die meisten Acryl-Farben Wasser. Dadurch ist die Deckkraft der Tamiya-Farben enorm. Die besten Ergebnisse, wie immer nur mit der Airbrush. Mit einer Einweg-Spritze ziehe ich mir die benötigte Farbe, hier etwa 3ml, aus dem Gläschen, mit einer anderen Spritze und Kanüle dran ziehe Spiritus auf und gebe das dann in die andere Spritze mit der Farbe. Ein wenig schütteln und schon ist eine spritzfertige Menge vorbereitet. Ich spritze mit einer 0,3mm Düse und etwa 1,2 - 1,5 bar Druck. Hierbei verdünne ich die Farbe auf etwa "Milch-Konsistenz". Wem das zu Beginn noch nicht gelingt und die Anmischung zu dünn geworden ist, reduziert den Druck auf unter 1 bar. Damit kann man dann immer noch lackieren, braucht aber etwas länger zum Decken und Zwischentrocknen.

Zurück zur P-40, das Tarnschema habe ich von einer Vorlage. Dabei orientiere ich mich an den Farbtönen, aber nicht unbedingt, das es jetzt einem offuiziellem Standart entspricht, wie z.B. RAL. Federal Standart, RLM oder andere. Für mich ist die Hauptsache, dass es den Farbtönen nahekommt. Modell und Wirklichkeit driften sowieso auseinander.
Das Tarnschema wird frei Hand aufgebracht. Zuerst der hellere Sandton. Da ich Mattfarben verwende, sind die recht schnell so getrocknet, dass man mit der zweiten Farbe weiterlacken kann. In der Zwischenzeit, hat man natürlich die Pistole von der verhergehenden Farbe weitesgehend befreit. Mit der zweiten Farbe verfahren wir genauso. Anschließend lassen wir das Ganze erstmal gut durchtrocknen. Über das oben erwähnte Pre-Shading wird ja nun hinweg lackiert, aber trotzdem wird das Dunkel durchschimmern und eine Tiefenwirkung erzeugen.

Als nächsten Arbeitsgang lackieren wir das farblich abgesetzte Heck. Es wird wieder frei Hand gemacht. Allerdings brushen wir die Abgrenzung mit weniger Luftdruck vor, und den Rest mit üblichem Druck. Dadurch erreichen wir, dass nicht soviel Farbnebel auf die Brauntöne kommt.

Anschließend lassen wir alles wieder schön trocknen.

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Decals:

Im nächsten Arbeitsgang kümmern wir uns um die Decalvorbereitung. Bei der GWS P-40 sind echte Decals beigepackt, also Wasserschieber, wie man sie aus den Revellbaukästen kennt. Wenn man die jetzt aber auf eine solche rauhe, mattlackierte Oberfläche aufbringen will, kann man sie auch gleich wegwerfen. Warum? Weil man Decal nur auf glänzende Oberflächen aufbringt. Warum? Man stellle sich den Lack mal unter dem Mikroskop vor. Mattlack entspräche von seiner Struktur her dem Alpenhauptkamm, Seidenmatt wäre das sanfte, hügelige Alpenvorland und Glanzlack wäre das norddeutsche Flachland. Bringt man jetzt darauf eine Folie, in unserem Fall das Decal, würde es nur die Spitzen berühren und sich nicht richtig auflegen können, weil die Trägerfolie nicht in die Vertiefungen gelangt. Dadurch schimmert das Decal nach dem Trocknen silbrig. Da hilft auch kein Überzug aus Klarlack. Außerdem reißt das Decal und blättert ab.

All dies passiert kaum, wenn das Decal  auf glänzenden Lack aufgebracht wird. Geschützt wird das Decal, in dem man es mit Klarlack des gewünschten Glanzgrades überzieht.

Was macht man aber, wenn keine Wasserschieber dabei sind? Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Man bestellt sich in einem gut sortiertem Shop welche, oder macht sich mit Hilfe von bedruckbaren Folien selber welche. Man malt die Decals auf, bedeutet verschiedene Schablonen erstellen und mit ruhiger Hand ausmalen und mit Klarlack den Glanzgrad angleichen. Sind selbstklebende Aufkleber dabei, randgenau ausschneiden, mit einem Schleifpad matt schleifen und aufkleben. Anschließend wird das Modell komplett, aber insbesondere die Decals, mit Klarlack des gewünschten Glanzgrades versiegelt.

So jetzt haben wir das Modell "verziert", jetzt fehlt aber noch das Verranzen der Kiste. So´ne Jagdmaschine hat ja auch "Einsatzspuren". Wir fangen mit Metall an, d.h. wir lassen die Farbe abblättern, aber nur dort wo es auch "realistisch " wäre. Flächenvorderkanten, Radkästen, Deckel, abnehmbaren Beplankungsteilen, Schiebhaube Cockpit, usw. Dies geschieht in der Trockenmal-Methode i.V.m. der Wischtechnik. Dabei machen wir auch vor den schönen teuren Decals nicht halt. Im Original sind die ja auch aufgemalt. Wie das Trockenmalen funktioniert, hab ich in einem anderen Artikel schon mal beschrieben.

Anschließend kommt die Airbrush wieder zum Einsatz, nämlich für die Rußspuren der Abgasstutzen und der Bordkanonen. Mit einem Rost-Rot wird ein Grund gelegt. Hauchdünn immer nur in Flugrichtung nach hinten sprühen und je weiter nach hinten immer weniger. Anschließend mit einem Teer-Schwarz über die vorherige, so dass sie noch etwas durchschimmert. Dadurch erhöht sich der optische Effekt der verbrannten Oberfläche etwas. Zum Schluss werden noch Spuren ausgetretenen Öls und Kraftstoff gelegt. Ein Tropfen eines öligen Farbtones wird an entsprechenden Stellen, Ruderscharnieren,  Kühlerklappen, Fahrwerksschächten, o.ä. getupft und mit einem borstigen Pinsel nach hinten,entsprechend auch nach unten gewischt.

Als Endarbeit haben wir noch die Cockpithaube, das Cockpit selber und in diesem Fall die Figur. Einfach aus dem Grund auch, die P-40 hat eine große Cockpithaube und erlaubt einen freien Blick ins Cockpit. Bevor wir aber hier das Malen anfangen, passen wir die Figur in das Cockpit ein. Also hier und da etwas wegschleifen und dann ordentlich hinsetzen, bitte!

Die Bemalung erfolgt mit entsprechenden Farben, die der Untergrund verträgt. Orientieren sollte man sich an üblichen Farben der damaligen Airforce-Uniformen. Bilder gibts bei Tante Guuuugel genug. Wenn die Pilotenfigur fertig ist, wird sie mit einem guten Kleber auf ihrem Sitz befestigt.

Nachdem der Kleber abgebunden hat, wir warten lieber noch ein Weilchen länger. Nichts ist bescheidener, wenn Kleberdämpfe sich auf dem klaren Kunststoff niederschlagen.

Als wirklich allerletzte Arbeit, irgendwas fällt einem dann doch noch ein...., ist die Befestigungund Bemalung der Cockpithaube. GWS liefert einen Kleber in der Art des Uhu-Por. Damit läßt sich die Cockpithaube sehr gut ankleben, aber sparsam umgehen und ich sichere die Haube noch mit 4 kleinen Stecknadeln. Anschließend werden die Kanzelstreben noch mit einem guten Abklebeband maskiert und mit der Rumpffarbe gestrichen. An den Stellen, wo die Kanzel hin- und hergeschoben wird, sollten noch ein paar Spuren abgeplatzer Farbe dargestellt werden.

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Nun betrachten wir unser Werk und freuen uns (oder auch nicht).

Nun noch engültig auswiegen, Ruderauschläge programmieren, Regler justieren und ab in die Luft.

Viel Glück für den Maiden-Flight.

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