
NH90: das Hauptfahrwerk
Nachdem ich ja ursprünglich plante, das Hauptfahrwerk des NH90 komplett nach Bauanleitung, allerdings gefedert zu bauen, musste ich diese zugegebenermaßen bequeme Idee wegen ...
des nicht zu realisierenden, aber nötigen Arbeitsweges aufgeben...
Dieser Arbeitsweg muss ja um den Betrag des Federweges größer sein.
Dieser Arbeitsweg muss ja um den Betrag des Federweges größer sein.
Auf dem Bild aus der Bauanleitung sieht man, dass das Anlenkgestänge die Fahrwerksschwinge etwa auf der Hälfte anlenkt.
(Bild: Graupner)
Da dies einen sehr großen Servoweg erfordert, versuchte ich eben diesen Servoweg über geänderte Hebelverhältnisse zu erweitern.
Leider ohne Erfolg, die Konstruktion mit dem Zwischenhebel, der die Landestöße vom Servo fern hält, erlaubt das nicht ohne weiteres, da der Drehwinkel von Servo und Zwischenhebel in etwa gleich bleibt und der Gewinn an Arbeitsweg nur durch längere Hebel nicht ausreichend ist.
(Bild: Graupner)
Zudem hätte ich die Schwinge etwas weiter vorne Richtung Drehpunkt angelenkt, was zusätzlichen Arbeitsweg ergeben hätte.
Nachdem diese Lösung aber ausgeschieden war, herrschte eine Zeit lang Ebbe im Hirn, eine geeignete Idee fehlte.
Mir war aber schon ziemlich früh klar, dass eine Anlenkung über die Drehachse der Fahrwerksschwinge den erforderlichen Arbeitsweg bereitstellen würde, aber ich scheute davor, weil das erstens eine Änderung der schon fertigen Schwingen und zweitens zu erwartende Probleme bei der Haltbarkeit der Verbindung Drehachse/Anlenkhebel bedeutet hätte.
Diese Probleme liegen nicht an der Verbindung an sich sondern an meiner mangelnden Werkzeugaustattung ohne Dreh- und Fräsmöglichkeit.
Eine Anlenkung über die Drehachse legt eigentlich nahe, das Servo flach auf den Boden vor dem Fahrwerk zu legen, Schwerpunktvorteile (Rumpfhelis neigen bekanntermaßen eher zur Hecklastigkeit) hätte dies auch gehabt.
In diese Richtung hatte ich auch schon viel gezeichnet und experimentiert, aber später wurde mir klar, dass schwere Landestöße nur durch einen senkrechten Spant sinnvoll aufzufangen wären.
Mit vor dem Fahrwerk liegenden Servos hätte das nur mit einer aufwändigen Spantkonstruktion funktioniert, die mir Einbauraum für Mechanik und Akkus genommen hätte.
Also blieb als logische Konsequenz nur die Umlenkung des waagerechten Gestänges in den vorhandenen Fahrwerkspant.
Und so sieht das Ganze aus:
Der Reihenfolge nach:
Oben am Spant sitzen die Servos. Da mir die Graupnerlösung mit unterschiedlich eingebauten Servos nicht gefiel (s. Zeichnung oben), polte ich bei einem Servo Motor und Poti um und setzte dieses Servo ebenfalls direkt in den Spant.
Die Zwischenhebel erhielten zusätzliche Aluanschläge (ausgefahrene Position) da die vorgesehene Lösung mit den Holzklötzen nicht wirklich funktioniert. Die Kugelköpfe des Gestänges sollen dabei an den Holzklötzen anlaufen, was sie aber gar nicht können, sie laufen einfach daran vorbei.
Ich habe die Aluanschläge aus einem diagonal geteilten Schlüter-Lagerblock hergestellt, der noch in einer Reste-Kiste lag. Ich fand das witzig, und besser noch: es funktioniert.
Anstelle der nun ab hier vorgesehenen Gestänge, die direkt zu den Schwingen laufen, montierte ich die im Einführungsbericht schon vorgestellten Stoßdämpfer.
Ich verzichtete aber auf die innenseitig zu montierenden Distanzhülsen, die den Dämpferweg begrenzen. So haben die Dämpfer in Verbindung mit den weiter unten beschriebenen Gewindebolzen die ideale Länge, um die Umlenkhebel ganz unten am Spant anzubringen, wo er am stabilsten ist.
Ausserdem habe ich jetzt beim fertigen RC Hubschrauber leichter die Möglichkeit, die Höhe über Grund einzustellen, indem ich nötigenfalls Distanzhülsen auf den äusseren, sichtbaren Teil der Kolbenstange stecke.
In der Ersatzteilkiste meiner großen Aero-tec Bell 212 fand ich zwei Sechskantgewindebolzen von der Taumelscheibenführung. Diese Teile haben an den Enden jeweils ein Aussen- und Innengewinde und können ohne jede Änderung zwischen Kolbenstange und Befestigungsauge des Dämpfers geschraubt werden.
Nun kommen die 90°Umlenkhebel, die die waagerechte in eine senkrechte Bewegung umleiten.
Sie sind übrigens die Gleichen wie die weiter oben montierten Zwischenhebel, nur wurde bei denen ein Schenkel abgeschnitten.
Für diese Variante, die nun endlich alle Kriterien erfüllte, die ich an das Fahrwerk stellte (Stabilität, Verriegelung in unterer Endstellung, möglichst geringe Änderung des Original-Layouts, leicht änderbarer Federweg und einfache Realisation) mussten nun die fertigen Fahrwerksschwingen geändert werden.
Im Einführungsbericht sind diese ja schon zu sehen. So wurden die Drehachsen fest mit der Schwinge verbunden, um eine Kraftübertragung auf die Ruderhebel zu ermöglichen.
Dazu wurden die Bundlager aus der kupfernen T-Stücken durch Stellringe ersetzt. Diese wurden mit Lagerkleber eingesetzt, nachdem sie eine zweite, gegenüberliegende Gewindebohrung erhielten.
Die Bundlager sitzen nun stattdessen in den Holzspanten A7/A8.
Die Drehachsen des Fahrwerks erhielten Abflachungen für die Schrauben der Stellringe.
Je Schwinge sorgen also vier Schrauben für eine Sicherung gegen Verdrehen.
Die Wellen sind aus schwer zu bearbeitendem CF53 Stahl, sie sind gehärtet, die Abflachungen mussten mit einer feinen Trennscheibe angeschliffen werden.
Für die Ruderhebel wurden, nachdem der Winkel der Befestigung ermittelt wurde, ebenfalls Abflachungen angeschliffen.
Nachdem der Fahrwerkspant nun fertig gestellt ist und eine provisorische Montage im Rumpf zeigte, dass das Fahrwerk funktionieren wird, muss ich nun erst Änderungen an der Rumpfnase vornehmen, bevor zuerst die Bugfahrwerksspanten und dann der Hauptfahrwerksspant eingeharzt werden können. Zu erwähnen ist noch, dass der Hauptspant gegenüber der Bauanleitung um 180° gedreht eingebaut wird, die Servos sitzen also in Flugrichtung hinter dem Spant.
Bis demnächst, Gruss Jürgen