Geschrieben von Jack
Am Anfang...
Es gibt Momente, die einem vor Augen führen, dass man älter wird. Im März 2009 hatte ich einen solchen. Nichtsahnend, mit dem eigenen Leben soweit zufrieden, fuhr ich zu meinem Freund Claus. Alles war wie immer. Seine Frau zerrte meine ins Haus um sich über Frauensachen zu unterhalten, die kleine Tochter lief weitgehend unfallfrei durchs Haus, der Hund krachte auf meine – zugegeben etwas hyperaktive- Hündin. Und Claus? Der bastelte mal wieder an seinen Flugzeugen. Alles wie immer. Nur an diesem Tag keimte ein Gedanke in mir hoch, welchen ich so noch nicht kannte. Dieser teilte mir mit: Du brauchst ein Hobby! So. Da hatte ich es. Scheinbar gibt es sie tatsächlich, diese innere Uhr, die Männer jenseits der 30 umtreibt. Dabei geht es dann weniger um das „ob“, diese Entscheidung ist gefallen. Nein, man hat nur noch die Wahl, womit man künftig seine Zeit totschlagen will. Gartenarbeit, Motorradfahren oder eben Modellflugzeuge.
Jede Hoffnung, dass alles wieder gut wird, wurde enttäuscht. Auch die nächsten Tage wollte ich nichts mehr, als ein Hobby. Genauer: Modellflugzeug fliegen. Angefeuert wurde der Wunsch von meinen beiden Freunden BJ und Schuller, denen zeitgleich Ähnliches in den Sinn kam. Ein Abend im Internet machte schnell deutlich, dass Wesensmerkmal eines Hobbys ist, Zeit zu kosten. Das Vorhaben, sich kurz zu informieren und dann startfähig zu sein, scheiterte erbärmlich. Vielmehr musste ich mich damit abfinden, von einem Fremdwort und technischen Geheimnis zum nächsten zu stolpern. Das Ausmaß habe ich wohl heute noch nicht begriffen. Will ich glaube ich auch gar nicht. Fliegen will ich.
Der erste Schritt ins Leben sollte unter Laborbedingungen stattfinden. Ein Simulationsprogramm musste her, bei dem man auch mal folgenlos so richtig riskante Manöver üben kann. Wie eine Landung zum Beispiel. Ich habe mich für die Budget-Variante entschieden, eine günstige USB-Funke von E-Sky sowie dem kostenlosen Programm FMS. Damit ich nicht allzu lange ängstlich am PC sitze, sondern raus ins Leben will, kam meine Grafikkarte auf die Idee, mit dem Programm FMS inkompatibel zu sein. Jedenfalls was jeglichen optischen Schnick-Schnack angeht. So durfte ich wie folgt üben: Flugzeug, grüne Farbe (sollte den Boden darstellen), blaue Farbe (ja der Himmel). Mehr gab es nicht zu sehen. Aber ich will nicht jammern, die Steuerung kennen lernen konnte ich so.
Dachte ich jedenfalls. Geschätzte 45 Minuten am Simulator, fühlte ich mich fit für den ersten Echtflug. Logisch, computerspielen konnte ich schon vorher, draußen spielt die Musik. Meine Frau hatte noch nichts vor für den Tag, die Sonne war gesonnen, der Hund musste ohnehin vor die Tür. Ab zu Claus. Der hatte bereits ein Anfängerflugzeug aussortiert, welches er ruhigen Gewissens in meine Hände legen konnte. Also die ganze Familie auf den Acker. Claus flog einige Runden. Kind guckte zwei Minuten interessiert, Frauen unterhielten sich über Frauensachen und Hündin rannte dem Flugzeug hinterher, um dann beleidigt festzustellen, dass sie etwas zu pummelig zum fliegen ist. Nachdem Claus fertig war, sollte ich ran. Dabei kam mir die ganze Zeit eine Sache wirklich komisch vor. Diese kannte ich nicht. Jedenfalls nicht aus dem Simulator. Wie sollte ich unter diesen Umständen fliegen? Es handelte sich um: Wind. Wind wehte reichlich. Und ich Vollamateur hatte gänzlich vergessen, mal die Regler für Wind ein wenig hochzudrehen. Ging ja auch so ganz gut. Klinisch präzises Landen, mit Applaus und so. Jetzt stand ich da, die Hosen gestrichen voll. Nachdem Claus und ich uns kurz in die Augen geschaut hatten, war fix klar. Ich werde heute nicht mehr fliegen. Ab nach Hause.
Intermezzo
Gefühlte zwei Jahre später. Tatsächlich wohl eher Monate. Aber sei es drum, ich hatte die Zeit genutzt und doch noch einmal den Simulator herausgekramt. Nun aber mit eingestelltem Wind, sogar in der tagesaktuellen Geschwindigkeit. Ja, man soll sein Hobby ernstnehmen.
Neben den virtuellen Freuden tat sich auch in der echten Welt etwas. Nach einigem Stöbern wurde der erste Flieger gekauft. Hier wollte ich die ausgetretenen Pfade der Internetforen verlassen und mich den immer gleichen Empfehlungen verschließen. Es gibt doch wie immer viele Mütter und viele hübsche Töchter. Oder so. Wobei hübsch war das gewählte Produkt jetzt nur für ausgewählte Betrachter. Schätze ich mal. Ich weiß gar nicht so recht, ob ich dazugehöre. Aber darum sollte es nicht gehen, zumindest nicht vorrangig. Getrieben wurde ich wohl eher von der Bastellust. RTF - fertig - fand ich langweilig. Besser klang ARF -fast fertig - Hier habe ich zumindest für ein paar Stunden etwas für mein Geld bekommen und konnte im Hobbykeller rumfummeln. Wer weiß schon, wie viele Sekunden ich später mit dem Modell fliegen darf, bevor er in den Boden einschlägt?! Das Basteln findet sich übrigens unter der Rubrik der Bauberichte wieder. Für den Interessierten.
Ich war natürlich auch bei meinem ersten Ansprechpartner für rc-Modellflug. Dem Claus. Der hatte an jenem Tag ein Stück EPP herausgesucht, geschnitten in Form eines "V". Man nennt dies wohl "Nurflügler". Erst dachte ich, kann ja so doll nicht sein und wenn ich spielen will bastele ich mir einen Papierflieger. Aber nein, ich wurde tatsächlich überrascht. Obwohl man den Nurflügler lediglich in die Luft wirft, kommt massig Tempo auf und er bleibt doch einige Sekunden in der Luft. Es reichte zumindest aus, um ein bis zwei Kurven zu fliegen. Außerdem durfte ich lernen, was es heißt, wenn einem Flieger auf einmal die Strömung abreißt und er hilflos gen Boden trudelt. Wer die Möglichkeit hat auf so ein Modell zuzugreifen sollte dies nutzen. Es ist perfekt um ein Gefühl für die Eigenarten des Fliegens zu bekommen.
Dies soll es bis hierhin dann auch schon wieder sein. Stand: Am Simulator geflogen, Modell gebaut, Nurflügler gesteuert. Es ist noch einiges zu tun.
Mein Erstflug
Da schreibe ich gerade erst den Satz "Es ist noch einiges zu tun" und wundere mich nun, dass es so viel dann doch nicht war. Mein Erstflug ist vollbracht :-) Anfang Juli, das Wetter eher aus Mitte April. Windig, immer wieder Regenschauer. Aber darauf wurde keine Rücksicht genommen. Gegen 21:00 Uhr kamen wir zum Schluß, dass nicht mehr gewartet wird. Was sollte schon passieren. Kann das Material EPP mal zeigen, aus welchem Holz es geschnitzt ist. Oder so ähnlich. Nachdem die noch offenen Arbeiten erledigt waren - Motor und Empfänger einbauen - ging es auf den "Flugplatz". Wahrscheinlich hätte man als Anfänger mit ein wenig Geduld doch auf einen windstilleren Tag warten sollen, aber irgendwie juckte es dann einfach, zu starten. Der erste Flug bestätigte den Entschluß. Ein geiles Gefühl. Fliegen macht mal richtig Spaß. Die Steuerung des Free Bee ist tatsächlich für Vollamateure ausgelegt. Ich war fast schon überrascht, wie gut sich das Flugzeug für mich Einsteiger fliegen lässt. Das Flugzeug bleibt fast von selbst in der Luft. Mit ein zwei Stunden Training am Flugsimulator war der Schritt ins echte Leben machbar. Auch wenn alles noch etwas holperig aussieht und die Landung eher eine aufgeschaukelte Stecklandung war, hatte ich zu keinem Zeitpunkt Angst um mein Flugmodell. Zumal man so eine Schaumwaffel wohl ohnehin leicht repariert bekommt. Es folgten noch zwei weitere Flüge. Der dritte und letzte Flug stützt die These, dass ich mit mehr Geduld besser hätte warten sollen. Der Wind frischte spürbar auf und mein Free Bee gewann an Fahrt. Leider unfreiwillg und wenig kontrolliert. Die erste Kurve habe ich noch auffangen können, danach wurde mein Flieger leider unfair auf die Seite geworfen. Für mich Einsteiger natürlich eine Überforderung, so dass es zum Absturz kam. Richtigerweise hätte ich das Gas rausnehmen müssen, um Motor und Propeller zu schonen. Habe ich das geschafft? Nein, natürlich nicht... Ging zu schnell. Im Ergebnis ist aber alles halb so wild. Das Modell selbst hat nicht mal einen Kratzer. Ein Sieg für den leichten Flieger aus EPP. Lediglich die Achse des Motors hat eine leichte Unwucht nach dem Aufprall. Die Motorwelle soll man jedoch problemlos auswechseln können, so dass dem nächsten Flug nur ein kleiner Zwischenstop in der Werkstatt im Wege steht. Ich freue mich darauf. Und vom Free Bee von FreeAir bin ich nun auch voll überzeugt. Meine Entscheidung für das doch eher unbekannte Flugzeug war genau richtig. Vom Bau bis zum Erstflug hat alles super funktioniert.
So denn, auf zu den Videos: In Teil 1 gibt es meinen ersten Flug überhaupt.
Gleich im Anschluß startete der Zweitflug. Das Video hierzu lasse ich außen vor, mein Tagebuch soll ja nicht zum reinen Videobeitrag verkommen... Zeigen will ich lieber den dritten Flug. Mit Absturz :-) Viel Spaß beim Anschauen...
Der Erstflug:
Der dritte Flug und zugleich erste Absturz:
Nach diesem Ausflug bin ich begeistert von meinem neuen Hobby. Die anfänglichen Befürchtungen, dass die Modellfliegerei zu kompliziert, techniküberladen und schwierig ist, haben sich nicht wirklich bestätigt. Wenn man erst einmal mit dem Bau des Flugzeugs anfängt und der erste Flug näher rückt, läuft es fast von alleine. Am Ende muss man es wohl einfach riskieren und nicht so lange zögern. Wer also gerade über einen möglichen Einstieg grübelt: Nur Mut. Es lohnt sich.
Gefangen!
So ein Mist auch. Nach meinem Erstflug juckt es nun täglich. So ist es wohl mit einem Hobby. Glaube aus der Nummer komme ich nicht mehr raus. Zunächst jedoch die posititve Nachricht: Nichts war kaputt. Dachte ja eigentlich, dass die Motorwelle verbogen wäre, tatsächlich hatte sich jedoch lediglich der Mitnehmer des Propellers gelockert. Kurz festziehen und es konnte weitergehen.
Kaum eine Woche später lockte ein lauer Sommerabend, ohne jeden Wind. So fühlt sich echtes Flugwetter an. Nach einer Minute war offensichtlich, dass es gelohnt hätte, mit dem Erstflug auf solche Bedingungen zu warten. Traumhaft ruhig ließ sich nun mein Free Bee steuern. Dabei lässt er einem Anfänger jederzeit genügend Luft, auch mal falsche Steuerbefehle zu geben. Mit viel Geduld fliegt er munter weiter und verzeiht so fast alles. Was nicht heißen soll, dass ich es nicht trotzdem geschafft hätte, ihn in den Boden zu rammen :-) Man wird ja auch übermütig, wenn man zwei Runden unfallfrei geflogen ist. Bei empfindlicheren Flugzeugen werde ich da wohl umdenken müssen. So war ich noch vom Flugsimulator verwöhnt und machte mir aus drei bis vier Abstürzen nichts. Passiert einem als Anfänger nun mal. Kaum glauben konnte ich, dass es mir nicht möglich war, diesen Flieger zu zerstören. Dabei waren einige wirklich gröbere Aufschläge dabei. EPP ist ab sofort mein absolutes Lieblingsmaterial. Bekommt man wirklich nicht kaputt. Voller Freude und fast schon beschwipst von den Flugerfolgen, ging es dann wieder nach Hause. Ein wunderschöner Ausflug, ein geiles Hobby!
Ein kleines Video soll es auch diesmal geben. Hier will ich zeigen, dass es nicht nur rumgeeiere und Abstürze gab. Da es recht windstill war flog der Free Bee mit feinster Ruhe und anfängerfreundlich ohne Ende.... Seht selbst:
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